#4 Anleitung: Swara-Yoga lernen

Yoga lernen mit Swara-Yoga

Wer Yoga lernen will, sollte sich als erstes mit Swara-Yoga beschäftigen. Swara-Yoga ist eine sehr einfache Art mit Yoga in die innere Harmonie zu kommen. Es beinhaltet Elemente des Hatha-Yoga und des Pranayama, wie auch ein Kriya.

Yoga bedeutet „Harmonie, Verbindung, Verbundenheit“ und Yoga lernen bedeutet, zu lernen in die innere Verbundenheit zu kommen.

Hatha-Yoga ist eine Yoga-Richtung, die sich gezielt um die Harmonie von Sonne (Ha) und Mond (Tha) kümmert. Zu den zentralen Hatha-Yoga-Praktiken gehört daher Swara-Yoga.  Das ist ein absolutes Pflichtprogramm für alle, die ernsthaft Yoga lernen wollen.

Was ist Swara-Yoga? *

Um Yoga und seine energetischen Wirkungen wirklich verstehen zu können, ist es unvermeidlich sich mit den verschiedenen Energiemodellen des Yoga beschäftigen. Das einfachste dieser Energiemodelle ist Swara.

Swara ist die Vorstellung, dass sich überall im Leben die Polaritäten aufeinander einschwingen müssen, um Harmonie herzustellen.

Harmonie ist das erklärte Ziel des Yoga.

Was ist mit Polaritäten gemeint?

Wir kennen im Yoga unterschiedliche Energieströme, nämlich das aufbauende, und das abbauende Prinzip. Auch in unserem physiologischen Körper kennen wir diese beiden Prinzipien:

  • Kräfte die für Muskelaufbau sorgen, und Kräfte die für Muskelabbau sorgen.
  • Wir kennen auch Nervenimpulse, welche die Muskelkontraktion ansteuern, und hemmende Nervenimpulse, welche die Muskelerschlaffung bewirken.
  • Im Hormonsystem gibt es solche Botenstoffe, die Aktivitäten starten, und andere Botenstoffe, die Aktivitäten stoppen.
  • Im Verdauungssystem kennen wir Prozesse welche uns aktivieren (Wärme, Kraft) und solche Prozesse welche uns herunterfahren (Müdigkeit, Kälte).

All diese Prozesse sind medizinisch bestätigte und sehr konkrete Beispiele für die Existenz des Swara Prinzips. Nur, dass dieses im Yoga etwas anders eingebunden ist und demzufolge anders damit umgegangen wird.

Ida und Pingala sind Sonne und Mond

  • Das aufbauende Prinzip wird im Yoga die Sonnenenergie genannt, bzw. auf Sanskrit: Pingala.
  • Das aufbauende oder hemmende Prinzip wird im Yoga als Mondenergie betrachtet, oder auf Sanskrit: Ida

Das Ziel des Yoga ist es, die Energien von Sonne und Mond zueinander in Einklang zu bringen. Also so viel Sonnenenergie mit so viel Mond Energie auszugleichen, dass beide gleich stark sind.

Yoga lernen bedeutet, diesen Ausgleich im eigenen Leben herzustellen.

Harmonie ist Potenzial in Ruhestellung *

Wenn diese Harmonie hergestellt ist, dann sind wir entspannt glücklich und voller Potenzial. Das bedeutet wir sind ruhig und entspannt und im vollen Besitz unserer Kräfte.

Wir sind weder überdreht, oder aufgedreht, noch erschlafft, oder müde.

Wir sind nicht träge oder kraftlos.

Wir sind auch nicht unruhig oder ängstlich.

Wir sind in unserer inneren Harmonie!

Wir sind voller Potenzial bedeutet:

Wir könnten jederzeit alles tun und sind im vollen Besitz unserer Kräfte. Und im Moment nutzen wir sie nicht. Wir sind glücklich in unserer Mitte. Das ist Yoga – Harmonie. Yoga lernen bedeutet Harmonie lernen – und annehmen.

Wunschlos glücklich!

Dieses Potenzial kann auch bedeuten, wir könnten uns jederzeit in die Meditation begeben und uns zu einer noch tieferen Ruhe bringen.

Aber wir müssen es nicht.

Es ist Potenzial

Potenzial bedeutet: wir könnten alles tun und nichts drängt uns.

Wie Swara in die Yogastunde integriert wird

Direkt am Anfang einer Yogastunde wird mit dem Swara Prinzip gearbeitet, um vorbereitend für die Durchführung weiterer Praktiken zunächst einmal Ruhe ins Energiesystem zu bringen.

Denn nur wenn Ida und Pingala ausgeglichen sind, ist man in der Lage sich auf Yogapraktiken wirklich (wirksam!) einzulassen. Und nur dann können Sie wirken.

Wirklich kommt von „wirken“.

Die wichtigste Übung im Swara-Yoga und warum sie unverzichtbar ist *

Die mit Abstand wichtigste Yoga-Übung für Swara ist die Wechselatmung. Die Wechselatmung ist die Übung schlechthin, um Ida und Pingala, also Sonne und Mond, aufeinander einzuschwingen.

Bei der Wechselatmung wird der Atem mithilfe der rechten Hand abwechselnd durch das linke und rechte Nasenloch geleitet, und wieder zurück. Wer Yoga lernt, lernt immer auch die Wechselatmung.

Die Folgen von einseitiger Nasenatmung

Immer dann, wenn wir nur durch einen Nasenloch atmen, wird die Nasenschleimhaut in diesem Nasenloch durch die hindurchströmende Luft stärker gereizt als in dem anderen. Damit werden Reflexzonen, die mit dieser Regionen der Nasenschleimhaut in Verbindung stehen aktiviert.

  • Wenn wir gleichmäßig durch beide Nasengänge atmen, werden Ida und Pingala gleichmäßig aktiviert.
  • Wird ein Nasengang stärker aktiviert als der andere, so sind Ida und Pingala nicht in Harmonie.

Der rechte Nasengang wird der Sonnenenergie, Pingala, zugeordnet. Der linke Nasengang wird der Mondenergie, Ida, zugeordnet.

Linker und rechter Nasengang

Wird also aus irgendwelchen Gründen einseitig beispielsweise die linke Seite stärker aktiviert als die Rechte, dann bedeutet es, dass die Mondenergie stärker aktiviert wird.

Wird der rechte Nasengang stärker aktiviert als der linke, bedeutet das, dass die Sonnenenergie in uns stärker präsent ist. Das hat komplexe physiologische und psychologische Wirkungen. Zumindest aus Sicht des Yoga.

Linke Seite ist Mond bzw. Ida

Wird regelmäßig der linke Nasengang stärker aktiviert, und ist somit die Mond Energie, Ida, stärker aktiv.

  • Dann werden wir sehr gut und viel schlafen.
  • Es kann unter Umständen eine Antriebsschwäche entstehen.
  • Die Ausscheidungsprozesse sind verstärkt
  • Die Muskeln eher schlaff
  • Die Reaktionen sind langsam bis träge

Die abbauenden Impulse im gesamten Organismus wirken stärker als die aufbauenden Impulse. Das kann zu einer Kühlung der Körpertemperatur führen, d.h. häufigem Frieren.

Rechts ist Pingala, Sonne

Wird regelmäßig der rechte Nasengang stärker aktiviert, und somit die Sonnenenergie überrepräsentiert, hat auch dieses zahlreiche Wirkungen, die uns nicht immer glücklich machen.

Bei Überrepräsentation der Sonnenenergie neigen wir zu …

  • Unruhe
  • Schlafstörungen
  • emotionale Überreaktionen
  • verstärktem Schmerzempfinden
  • Entzündungen,
  • wir wissen nicht wohin mit unserer physischen Kraft.

Der unschlagbare Vorteil, wenn Ida und Pingala gleich stark sind *

Sind die Energien von Sonne und Mond, von Ida und Pingala, ausgeglichen, dann schlafen wir gut, und haben viel Energie am nächsten Tag.

  • Die Reinigungsprozess in unserem Körper sind so stark, dass krankheitsfördernde Schlacken vollständig abgeführt werden.
  • Die Aufbauprozesse sind so stark, dass die Energiebereitstellung im Verdauungstrakt sehr gut läuft.
  • Wir haben Kraft in unseren Muskeln, und sind frei von Verspannungen.

Es gibt zahlreiche Bereiche, auf die sich dieses Swara Prinzip auswirkt.

Wie du Swara in deinem Leben realisieren kannst (wenn du willst)

Yoga lernen bedeutet zu lernen die Harmonie zwischen Ida und Pingala herzustellen. Die effektivste Möglichkeit Harmonie in das Spiel von Ida und Pingala zu bringen, ist die Wechselatmung.

Es gibt zahlreiche Formen der Wechselatmung. Sie können rein physisch technisch orientiert sein, sie können auch mit Visualisierungen und inneren Bildern arbeiten.

Je mehr Ebenen integriert werden, umso wirkungsvoller ist die Praxis.

Wer regelmäßig systematisch die Wechselatmung praktiziert, wird sehr davon profitieren. Über einen längeren Zeitraum hinweg wird sich immer mehr innere Harmonie und Ruhe einstellen.

Harmonisch Üben ist stressfreies Üben

Damit das gelingt, muss man sich von falschen Vorstellungen über die korrekte Ausführung der Wechselatmung befreien.

Es gibt zahlreiche technische Anleitung, welche eine große Herausforderung darstellen können. Ist der Übende diesen Herausforderungen nicht gewachsen, dann bedeutet das Stress. Sobald das Stressprinzip aktiviert wird, ist Harmonie weiter weg als je zuvor.

Damit erreiche ich gar nichts.

Man kann nicht mit Anstrengung in Harmonie kommen.

Deshalb gilt, will ich in Harmonie kommen, muss ich während der Durchführung der Übungen entspannt und stressfrei sein.

Harmonie bringt Harmonie hervor. Kein anderer Zustand kann das.

Aus diesem Grund muss die Übungspraxis, in Abhängigkeit vom Einzelfall, sehr deutlich angepasst werden.

Die Macht der Störung

Bei manchen Menschen ist es schwierig im Sinne der Wechselatmung abwechselnd durch die Nasengänge zu atmen. Das bedeutet, dass dort eine Störung vorliegt.

Auch außerhalb des Übens der Wechselatmung hat diese Störung Wirkungen auf den gesamten Organismus. So wie es weiter oben dargelegt habe.

Wer mit einer Störung der Nasengänge lebt, die das Ungleichgewicht von Ida und Pingala dauerhaft aufrecht erhält, wird zahlreiche Störungen im gesamten Organismus erleben.

Es ist deshalb unbedingt angeraten, aus yogischer Sicht, diese Störung zu beseitigen.

Ärzte haben da zumindest keine Einwände, sofern es richtig gemacht wird.

😉

Was du täglich tun solltest, um dein Swara zu stabilisieren *

#1 Täglich Neti

Zur Vorbereitung der Wechselatmung ist es deshalb gut zunächst Neti durchzuführen. Neti ist die Nasenspülung.

Auch hier gibt es im Yoga weitere Varianten, auf die ich jetzt hier in diesem Kontext nicht näher eingehen werden. Wer dauerhafte Einschränkungen in den Nasengängen hat, kann mich gerne ansprechen, um weitere Tipps zu erhalten.

Hier gibt’s auch spannende Tipps zu weiteren Swara-Yoga-Praktiken.

Für alle anderen Fälle gilt folgendes:

  1. besorge dir in der Apotheke ein Nasenspülkännchen, und lasse die genau erklären wie es angewendet wird.
  2. Und dann benutze es täglich. Es gehört zur yogischen Hygiene den Tag mit Neti, der Nasenspülung, zu beginnen. Jeden Tag. Immer. Ganz besonders die schlechten Tage. Das ist so selbstverständlich wie Zähne putzen und waschen. Es gehört in das morgendliche Badezimmerritual.

Wer täglich Neti, die Nasenspülung, praktiziert und anschließend einige Minuten Wechselatmung, wird davon sehr profitieren.

#2 Täglich Wechselatmung

Lass deinem Neti täglich einige Runden Wechselatmung folgen. Das ist auch sehr gut geeignet für die kleine Pause zwischendurch.

Dadurch harmoniserst du deine Lebensenergie, dein Prana. Und mit deine Prana steigerst deine Lebensenergie. Freude und Lust am Leben …

Raucher machen Raucherpausen…

Yogis machen Prana(yama)-Pausen

Was geschieht, wenn sich Swara einstellt *

Im Verlauf der nächsten Wochen und Monate, paralles zu deinen Bemühungen Yoga zu lernen, wird sich bei täglicher Praxis langsam aber sicher eine neue Harmonie einpendeln.

Das dauert ein bisschen, und tut unglaublich gut.

  • Du spürst das in ausgeglichenerer Stimmung,
  • flexibleren Muskeln,
  • gleichmässigerem Tag-Nacht-Rhythmus.
  • Du wirst stabiler gegen Störeinflüsse und robuster gegen die unangenehmen Einflüsse flegelhaften Verhaltens anderer.

Du wirst insgesamt harmonischer und gelassener

Noch mehr Swara-Yoga *

Weitere Möglichkeiten Swara stabil in das eigene Leben zu integrieren, ist die tägliche Praxis der stehenden Gleichgewichtsübungen.

Alles – ALLES – A.L.L.E.S. !!!
… was mit Gleichgewicht halten zu tun hat, fördert das Swara Prinzip.

Mach dir dazu einfach nur eines bewusst:

Das Gleichgewichtsorgan steuert so ziemlich alles in unserem Körper, Geist und Leben. (War dir schon mal schwindelig?)

Dazu mehr in einem späteren Beitrag.

Du willst dazu eine Anleitung? *

Dann kommt zum Swara-Yoga-Workshop: Die Kunst des Gleichgewichts.

Workshop: Kunst des Gleichgewichts 15.Sept

 

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